Georgien, Reisen

Mzcheta, Gori und die Höhlenstadt von Uplistsikhe

16. Dezember 2016
Uplistsikhe

Von der russischen Grenze zurück ins Landesinnere Georgiens. Ziel des heutigen Roadtrip-Abschnittes ist Gori – der Geburtsort Stalins und die Felsenstadt von Uplistsikhe.

Da wir uns kurz vor der russischen Grenze im Gebirge des großen Kaukasus befinden und die einzig gut befahrbare Straße in dieser Region die georgische Heerstraße ist, ist für uns auch klar, dass heute ein großer Teil der Strecke zum Déjà-Vu-Erlebnis werden wird. Gegen Ende der Reise hoffen wir aber auf eine Belohnung mit der Besichtigung der Felsenstadt Uplistsikhe bevor es zur Übernachtung nach Gori weiter geht.

 

Georgien Roadtrip Tag 5: Mzcheta, Gori und die Felsenstadt Uplistsikhe

Wie erwartet war die Abfahrt über die georgische Heerstraße relativ unspektakulär: vorbei an dem langen LKW-Stau vor der russischen Grenze, noch mal durch die Ski-Orte Georgiens und ein letzter Blick auf die grandiose Berglandschaft des großen Kaukasus.

 

Mzcheta

Am Ende der Heerstraße haben wir noch einen kleinen Abstecher gen Osten Richtung Tiflis gemacht: Mzcheta wird als geistliche Hauptstadt Georgiens in mehreren Reiseführer empfohlen. Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Aragwi und der Mtkwari und enthält mehrere sehenswerte Kirchen und Klöster. Mit ca. 8.000 Einwohner (Stand 2015) ist die über 3.000 Jahre alte Stadt sehr klein, jedoch sehr reich an Kulturgüter. Viele der Kulturdenkmäler gehören zum UNESCO-Welterbe. Im 6. Jahrhundert war Mzcheta Hauptstadt des Königreichs Iberiens.

Insgesamt eine schöne kleine Stadt für einen Zwischenstop auf unserer Route. Für einen längeren Aufenthalt war es uns aber schon zu touristisch geprägt. Nach Besichtigung der Kirchen und Klöster sowie einem Mittagessen in der Innenstadt ging es weiter auf unserem Weg.

Mzcheta direkt an den Flüssen Mtkwari (dt. Kura) und Aragwi gelegen (Blick von Dschwari)

Mzcheta direkt an den Flüssen Mtkwari (dt. Kura) und Aragwi gelegen (Blick vom Kloster Dschwari)

 

Mzcheta
Kloster Dschwari

Auf dem Vorsprung des Sagurani-Bergrücken steht das Kloster Dschwari. Das überall aus der Umgebung sichtbare Kloster ist dann doch deutlich kleiner, als es von weiter Ferne wirkt. Der Name wird mit Kreuzkloster übersetzt. In einigen Reiseführer wird es auch als Kreuzkirche genannt: angeblich hatte die heilige Nino, die das Christentum nach Georgien gebracht haben soll, im 4. Jahrhundert an der heutigen Stelle des Klosters ein Kreuz errichtet bzw. berichten lassen. An dieser Stelle wurde zuerst eine kleine Kirche erbaut bevor später das Kloster dazu kam.

Mzcheta: Kirche Dschwari

Mzcheta: Kirche Dschwari

 

Mzcheta
Kirche Samtawro

Die Samtawro-Kirche liegt am Rande des Stadtzentrums innerhalb eines Nonnenklosters. Die Klosteranlage wurde im 4. Jahrhundert gegründet. Wenn man in Mzcheta ist, sollte man unbedingt dieses Kloster bzw. die Samtawro-Kirche aufsuchen: die Kirche  zeichnet sich durch herrlichen Fassadenschmuck und reichhaltige Steinmetzarbeiten aus. Angeblich sollen hier Königin Nana und König Mirian III. begraben sein.

Mzcheta: Samtavro-Kloster in der Innenstadt

Mzcheta: Samtavro-Kloster in der Innenstadt

 

Mzcheta
Swetizchoweli-Kathedrale

Die Swetizchoweli-Kathedrale ist Sitz des Erzbischofs von Mzcheta und Tiflis, der zugleich der Katholikos-Patriarch von Georgien ist. Davor war sie über mehrere Jahrhunderte die Krönungs- und Begräbniskirche der georgischen Monarchen und zugleich die Hauptkirche der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche. Sie ist die zweitgrößte georgische Kirche nach der Heiligen-Dreieinigkeits-Kathedrale in Tiflis.

Durch den Sitz des Katholikos-Patriarch von Georgien ist die Kathedrale das geistliche Zentrum Georgiens. Das Bauwerk selbst unterscheidet sich aber nicht sonderlich von anderen Kirche bzw. Kathedralen in Georgien.

Erwähnenswert ist hier vielleicht noch der Kontrast zwischen Kirche und Bevölkerung: vor den Toren sitzen alte Frauen und betteln, drinnen steigt der Erzbischof oder einer seinen Vasallen (bin mir nicht sicher wenn wir gesehen haben) mit schwarzem Gewand und Sonnenbrillen in den 500 PS starken Mercedes Benz AMG.

Mzcheta: Swetizchoweli-Kathedrale in der Altstadt

Mzcheta: Swetizchoweli-Kathedrale in der Altstadt

 

Höhlenstadt Uplistsikhe

Das Highlight des heutigen Tages ist die Höhlenstadt Uplistsikhe, die „Festung Gottes“,  östlich von Gori.  In meinem Reiseführer war hierzu leider nur ein kleiner Abschnitt. Aus meiner Sicht jedoch absolut empfehlenswert! Es steht aktuell auf der Vorschlagsliste für das UNESCO Weltkulturerbe-Programm. Warum es nur sehr selten und wenn, dann auch nur am Rande Erwähnung findet, kann ich nicht nachvollziehen.

Trotz der Nähe zu Gori ist das ganze Areal etwas versteck: Hinweisschilder zur Höhlenstadt sind sehr spärlich bis überhaupt nicht aufgestellt worden. Wir sind auch prompt falsch gefahren und gleich in Gori gelandet und mussten dann noch einmal zurück. Letztendlich war dies jedoch ein absoluter Glücksfall: wir waren ziemlich die letzten beim Einlass in die Höhlenstadt und mussten uns die Stadt kaum mit anderen Besucher/Touristen teilen.

Angeblich sollen sich die ersten Menschen um  Uplistsikhe bereits im vierten Jahrtausend v. Ch. angesiedelt haben. Die Höhlen- oder auch Felsenstadt (wie sie in einigen Reiseführer genannt wird) selbst wurde wohl im 6. Jahrhunder v. Chr. gegründet und hat sich im 1. Jahrhundert n. Chr. zu einem Zentrum an der Seidenstraße entwickelt. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert n. Ch. von den Mongolen geplündert und gebrandschatzt. Danach wurde die Höhlenstadt aufgegeben.

Wegbeschreibung:
In Gori fährt man die „Stalin Avenue“ gen Süden. Über eine Brücke geht es über die Mtkvari (Kura) und über Eisenbahnschienen. Danach wird es etwas knifflig, da man eigentlich links in die „Niko Ketskhoveli Street“ abbiegen muss, dies aber nicht gestattet ist (sieht man aber dummerweise erst sehr spät). Also  einfach dreimal rechts abbiegen und auf der „Gorijvari Street“ unter der gerade befahrenen Brücke hindurchfahren. Nun muss man wieder zurück auf die „Niko Ketskhoveli Street“ (rechts und die zweite links) und fährt auf dieser Straße ca. 5,5 km gen Osten.  Ein Ortsschild zeigt Uplistsikhe links an, also links abbiegen. Nun fährt man gefühlte unendliche Kilometer durch das wohl nur aus dieser einen Straße bestehende Uplistsikhe hindurch weiter nach Kvakhvreli immer gerade aus. Die Straße macht einen Knick und führt über eine Brücke wieder zurück auf das andere Ufer der Mtkvari (Kura). Nach wenigen hundert Meter nach der Brücke hat man die Höhlenstadt erreicht.

Googlemaps zeigt die Straßen sehr detailliert – leider hatten wir dies offline nicht zur Verfügung.

Felsenstadt von Uplistsikhe

Felsenstadt von Uplistsikhe

Felsenstadt von Uplistsikhe

Felsenstadt von Uplistsikhe

Sonnenuntergang in Uplistsikhe

Sonnenuntergang in Uplistsikhe

Sonnenuntergang in Uplistsikhe

Sonnenuntergang in Uplistsikhe

 

Gori – Stalins Geburtsort

Heutiges Etappenziel: Gori, der Geburtsort von Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, besser bekannt als Josef Wissarionowitsch Stalin.

Mit Ausnahme des zweifelhaften Stalin-Museums, der Stalin-Statue („Täglich grüßt der Diktator“) und der Festung in Mitten der Stadt, ist Gori selbst nicht wirklich sehenswert. Kurz: es ist hässlich (auch wenn die Bilder unten vielleicht etwas anderes vermuten lassen). Dazu kommt, dass wir nachts stundenlang (ja – ich übertreibe ein klein wenig) auf der Suche nach einem Restaurant waren und letztendlich nur ein einziges gefunden hatten. Die Qualität des Essens war eher bescheiden – auch für georgische Verhältnisse. Man merkt der Stadt an, dass die Menschen hier durch ihren früheren Gönner Stalin deutlich über dem Landesdurchschnitt lebten. Genauso ist es aber auch ersichtlich, dass diese Zeiten längst vorbei sind.

Meine Empfehlung:
Gori muss man nicht gesehen haben. Würde eher überlegen, an Stelle von Gori Borjomi und Bakuriani anzusteuern (haben wir leider ausgelassen).

Blick auf Gori und die Festung

Blick auf Gori und die Festung

Gori: Blick von der Festung

Gori: Blick von der Festung

Gori: Ritter-Skulturen vor der Festung

Gori: Ritter-Skulpturen vor der Festung

 

Just an dem Tag, an dem wir in Gori übernachteten waren in Georgien Wahlen. Zufälligerweise war unsere Vermieterin und Gastgeberin eine der Kandidaten, so dass wir hier auch gleich noch einen ganz kleinen Einblick in die Politik des Landes erhalten konnten.

Wahlen in Georgien

Wahlplakat unserer Gastgeberin in Georgien

 

Georgien Roadtrip Tag 5
Weitere Impresionen

Mzcheta: Blick auf die Dschwari-Kirche (oben auf dem Berg)

Mzcheta: Blick auf das Dschwari-Kloster (oben auf dem Berg)

Mzcheta: alte Bibliothek

Mzcheta: alte Bibliothek

Felsenstadt von Uplistsikhe

Felsenstadt von Uplistsikhe

Uplistsikhe

Uplistsikhe

Gori: Blick auf die Stadt

Gori: Blick auf die Stadt

Gori: Blick auf die Stadt

Gori: Blick auf die Stadt

Gori: Festung

Gori: Festung

Gori: Eingang in die Festung

Gori: Eingang in die Festung

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