Deutschland

Im Herzen von Bayern: Kurzvisite in Altötting

25. Januar 2017
Altötting: Gnadenkapelle und gotische Stiftspfarrkirche

Beruflich hat es mich kurzfristig nach Altötting verschlagen. Dies musste ich ausnutzen und habe sofort die kleine Ortschaft 90 km östlich von München erkundet.

Bis dato hatte ich Atheist von Altötting überhaupt noch nichts gehört. Im Nachhinein habe ich aber fast das Gefühl, dass es proportional auf die Einwohner gerechnet hier mehr Kirchen gibt als in Rom.

Mit etwas Recherche musste ich erstaunt feststellen, dass dieses kleine Örtchen (gegründet wohl zur Zeit der Kelten ca. 750 Jahre v. Chr.) immer wieder im Laufe der Geschichte in Erscheinung tritt (Quelle: Tourismusinformation):

Im Mittelalter wurde die damalige Ortschaft Ötting karolingische Königspfalz. Die größte Zeit erlebte dieses Pfalz, als König Karlmann, der Urenkel Karls des Großen, seinen Regierungssitz im Jahre 865 nach Ötting verlegte und von hier aus als König über Bayern und Italien herrschte. Zur Umbenennung zwischen Alt- und Neuötting kam es erst im 13. Jahrhundert, als sich Neuötting als Handelsplatz am Inn etablierte.

Im Jahre 1489 tauchen Berichte von Heilungswundern auf, woraufhin bald Pilger aus ganze Europa zur Wallfahrt nach Altötting aufbrechen. Über die Jahrhunderte ist dieser Pilgerstrom nie abgebrochen. Auch Kaiser, Könige, Herzöge und Kurfürsten sowie drei Päpste haben als Pilger Altötting besucht. 

2008 bekam Altötting, bzw. die Wallfahrtskirche – die Gnadenkapelle „Unsere Liebe Frau“ – die Goldene Rose von Papst Benedikt XVI. verliehen.

Bin nun nicht zurück zum Christentum konvertiert – mit Geschichts-begeisternden Augen jedoch eine sehr interessanter Ortschaft. Dazu kommen noch super freundliche Menschen, ich hatte ein tolles Hotel und köstliches Essen. Wenn jede berufliche Reise so wäre – perfekt!

Der Kapellplatz von Altötting

Das Zentrum von Altötting bildet der Kapellplatz. Hier befindet sich Rathaus, bischöfl. Administration, eine Statue unter einer Glaspyramide, ein Kriegsdenkmal (Johann T’Serclaes Graf von Tilly, Heerführer der Katholischen Liga sowie des kaiserlichen Aufgebots im Dreißigjährigen Krieg) und natürlich viele viele Kirchen.

Altötting: Kapellplatz

Altötting: Kapellplatz

 

Gnadenkapelle „Unsere Liebe Frau“ und gotische Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob

Die kleine Gnadenkapelle oder auch Heilige Kapelle genannt ist das Ziel des jährlich nach Altötting fliesenden Pilgerstroms. Die Wallfahrer erbitten sich Hilfe von der dort verehrten „schwarzen Maria“, oder auch „schwarze Madonna“, wie sei seit einigen Jahre immer häufiger genannt wird.   Die Gnadenkapelle wurde bereits von den Päpsten Pius VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht. Papst Benedikt XVI. soll seinen Bischofsring vor dem Gnadenbild niedergelegt haben. Heute ist der Ring am Zepter der Muttergottesstatue angebracht.

Altötting: Gnadenkapelle (im Vordergrund) und Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob (im Hintergrund)

Altötting: Gnadenkapelle (im Vordergrund) und Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob (im Hintergrund)

In der Stiftskirche wurde von 1632 bis 2009 jeden Morgen eine Messe für Johann T’Serclaes Graf von Tilly gelesen. Er spendete einen Betrag von 6300 Gulden für ein eigenes Benefizium, wonach „bis in alle Ewigkeit“ jeden Tag für ihn eine Messe lesen sollte. „Bis in alle Ewigkeit“ bedeutet bei den Katholiken so lange, bis der emeritierter Bischof von Passau Wilhelm Schraml die Wohnung für seinen Alterswohnsitz benötigte, in welcher bis dato der Tilly-Benefiziat wohnte (Quelle: Bayrischer Rundfunk). Ein Schelm, wer hierbei böses denkt…

Altötting: gotische Stiftspfarrkirche (Rückseite)

Altötting: gotische Stiftspfarrkirche (Rückseite)

 

Kirche St. Magdalena

Das heutige Kapuzinerkloster mit der barocken Kirche und Jugendübernachtungshaus wurde 1697 ursprünglich als Jesuiten-Klosterkirche erbaut. Nach dem Jesuiten-Orden übernahmen 1781 die Malteser und 1841 die Redemptoristen das kloster, bevor es dann schließlich 1874 an die Kapuziner ging. Die Kirche des Kapuzinerklosters ist im folgenden Bild in der Mitte hinter der Gnadenkapelle zu sehen.

Altötting: Kapellplatz mit Rathaus, St. Magdalena, Gnadenkapelle und gotische Stiftspfarrkirche

Altötting: Kapellplatz mit Rathaus, St. Magdalena, Gnadenkapelle und gotische Stiftspfarrkirche

Basilika St. Anna

Durch die immer größer werdende Anzahl an Pilgern musste zu Beginn des 19. Jahrhundert eine größere Kirche her: die kurz vor dem ersten Weltkrieg erbaute Basilika St. Anna besticht durch ihre Größe – sie bietet Platz für über 8.000 Menschen. Sie ist gleichzeitig auch die größte Kirche, welche im 20. Jahrhundert in Deutschland gebaut wurde. Mit dem Fundament der Kirche wurde jedoch bereits im 17. Jahrhundert begonnen. Die Kirche wurde von Papst Pius X. bereits ein Jahr nach der Vollendung des Baus in den Stand einer päpstlichen Basilika (Basilica minor) erhoben.

Altötting: Basilika St. Anna

Altötting: Basilika St. Anna

 

Jerusalem Panorama Kreuzigung Christi

Das Panorama Kreuzigung Christi ist ein monumentales Panoramabild in einem eigens dafür errichteten Museumsgebäude. Das Panorama ist das einzige im Original erhaltene Panorama mit religiöser Thematik in Europa. Es steht unter dem Kulturgutschutz der Vereinten Nationen und unter dem Denkmalschutz des Freistaates Bayern.Das Panorama wurde nach einjähriger Bauzeit am 18. Juli 1903 eröffnet. (Quelle: Wikipedia)

Altötting: Jerusalem Panorama

Altötting: Jerusalem Panorama

 

Weiter Sehenswürdigkeiten in Altötting

Neben den oben abgebildeten Sehenswürdigkeiten bietet die Ortschaft noch weitere:

Bruder Konrad Kirche

Ehemalige Franziskanerkirche von 1657. Heute Kapuzinerkirche und -kloster mit Grabstätte des heiligen Bruder Konrad.

Bischöfliche Administration und Haus Papst Benedikt VXI.

Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum, Bischöfliche Administration. Erbaut von Enrico Zuccali im Jahre 1687. Befindet sich auch direkt am Kapellplatz.

Marienwerk

Alter Chorherrenstock von 1616. „Marienbild“ und „Bruder-Konrad-Film“, Dioramenschau über die Geschichte der Wallfahrt von Reinhold Zeller.

St. Michael

Kleine, intime gotische Kirche von 1469 mit Friedhof. Keine 200m vom Kapellplatz entfernt.

St.-Josefs-Kirche

St.-Josefs-Kirche der Congregation Jesu von 1737. Enthält laut Beschreibung eine imposante Rokoko-Innenausstattung. Befindet sich zwischen Kapellplatz und St. Michael.

St. Josef

Stadtpfarrkirche von 1967 in Altötting-Süd. 20 min. zu Fuß vom Zentrum entfernt am Simon-Dach-Platz. Sie ist die modernste katholische Kirche im Ort. An die Pfarrkirche angeschlossen ist die Rupertikapelle.

Gemeindezentrum „Zum guten Hirten“

1995 aus Holz erbautes Evangelisch-Lutherisches Gemeindezentrum. Die Kirche besticht durch ihre besondere Architektur. Die Bänke sind in Kreisform angeordnet. In diesem Kreis ist der Altar inbegriffen.

Herz-Jesu-Anbetungskirche

Kirche der Schwestern vom Heiligen Kreuz, erster Altar zu Ehren der Patronin Bayerns. Für die hiesigen Verhältnisse sehr weit vom Kapellplatz entfernt – vielleicht 500m.

Maria Heimsuchung im Nachbardorf Unterholzhausen

Spätgotische Dorfkirche in Unterholzhausen (4 km) mit wertvollen Plastiken.

 

Unterkunft in Altötting

Ich habe im Hotel Plankl übernachtet. Dies befindet sich zentral ein paar hundert Meter neben dem Kapellplatz. Super freundliches Mitarbeiter, tolles Essen und Unterkunft. Kann ich bedenkenlos weiter empfehlen. Für ein Upgrade von 10 EUR konnte ich auch zwischen Saune, Dampfbad oder Wasserbad auf dem Zimmer wählen.

www.hotel-plankl.de
info@hotel-plankl.de
Schlotthamer Str. 4, 84503 Altötting

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